An(ge)dacht

An(ge)dacht

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ – Römer 5, 8 (Wochenspruch für die erste Woche im März)

Liebe Leserinnen und Leser!

diane helentjaris Pugbqi FxIw unsplash web„Damals, da habe ich ihn wirklich geliebt, aber da war er ein ganz anderer“, so sagt eine Frau nach der Trennung von ihrem Mann.                                                                                                                       
„Plötzlich war sie wie ausgewechselt. Das war nicht mehr die Frau, in die ich mich einmal verliebt hatte“, so sagt ein Mann nach der Trennung von seiner Frau. Das ist unsere Erfahrung: Wir lieben, was uns liebenswert erscheint. Und solche Liebe kann abhanden kommen, „wie andern Leuten ein Stock oder Hut“, wie Erich Kästner sarkastisch bemerkt.                                                                                                                                                                                   
Auch Gott hat uns geliebt, als wir noch andere waren, schreibt Paulus. Aber hier ist die Richtung umgekehrt: „als wir noch Sünder waren“. Nicht: als wir noch mehr oder weniger unschuldige Kinder waren. Nicht: als wir noch die Ideale und guten Vorsätze der Jugend hatten. Nicht: als wir noch nicht wussten, was es heißt, einen anderen zu verletzen und zu enttäuschen. Gott hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren. Das stellt viel auf den Kopf von dem, was wir erfahren und kennen. Das ist fast ein unbekanntes Gelände für unsere Seelenlandschaft: der Satz von der Gnade Gottes. Gottes Liebe ist keine Liebe, die darauf reagiert, dass ich liebenswert wäre. Gottes Liebe ist eine Liebe, die mich liebenswert macht. Weil das so ist und weil das für alle so ist, stellt Gottes Liebe mich in die Reihe gerade mit Menschen, mit denen ich so gar nichts zu tun haben möchte. Weil das so ist mit Gottes Gnade, hört sie auch dort nicht auf, wo sich die Türen unserer Häuser und unserer Gemeinden für andere schließen

Es grüßt Sie herzlich      

Ihre Pfarrerin Edelgard Richter